Hauptbestandteile des Taekwon-Do
Eine längere, fließende Kombination von genau festgelegten Bewegungen nennt man im Traditional Taekwon-Do Hyong (Formenlauf). Es gibt 24 vorgeschriebene Bewegungsformen. Diese Formen sind vergleichbar mit einem Tanz, bei dem man sich zur Melodie und dem Rhythmus der eigenen inneren Stimme bewegt.
Durch unnatürliche Haltung und ungesundes Leben haben wir unsere harmonische, natürliche Beweglichkeit zum größten Teil verloren. Auch können wir unsere innere Stimme kaum noch wahrnehmen und haben verlernt uns danach zu bewegen.
Der Hyong ist wie ein Spiegel, der uns den Zustand des Körpers und der Seele deutlich vor Augen führt.
Ein Hyong ist keine bloße Aneinanderreihung von bestimmten Techniken, sondern eine organische Einheit, die leben, atmen und fließen muß. Eine Form lebt nur dann, wenn die auszuführenden Bewegungen und das Ki (die Lebensenergie) harmonisch zueinander stehen. Sobald das Ki fließt, fließt auch die Form und umgekehrt. Solange die Bewegungen harmonisch miteinander verbunden werden, kann das Ki ungestört fließen. Sind die Bewegungen aber unkonzentriert und abgehackt, so ist auch der Fluß der Lebensenergie unterbrochen.
Wenn man den Körper nicht bewegt, steht auch bald das Ki. Wenn das Ki steht, wird der Körper träge.
Der Sinn des Hyong liegt im Einüben umfangreicher Bewegungsabläufe, die Konzentration, körperliches Gleichgewicht, richtige Atmung, Bewegungsrhytmus und richtige Spannungsintervalle des Körpers fördern sollen. Auch der meditative Aspekt ist nicht zu unterschätzen.
In der Form setzt sich der Ausübende mit den Angriffen eines, bzw. mehrerer imaginärer, also nicht wirklich existierender Gegner, auseinander. Der Übende muß jede Bewegung in realistischer Weise ausführen. Ein präzise ausgeführter Hyong endet an dem Punkt, an dem er begonnen wurde. Saubere technische Ausführung, fließende, kraftvolle Bewegungen und dynamische Darbietung sind äußere Merkmale einer korrekten Hyong-Übung.
Das Beherrschen der verschiedenen Techniken ist bei dem Hyong wohl wichtig, aber es reicht nicht aus, nur an der äußeren Form zu arbeiten.
Jede äußere Form muß auch einen klaren, festen inneren Kern haben, da sie sonst zu starr oder instabil wird. Der Hyong-Laufende muß innerlich klar und sicher sein, um sich äußerlich fließend, aber doch kontrolliert und kraftvoll zu bewegen.
Durch geduldiges Bemühen können die inneren und äußeren Bewegungen wieder fließender, weicher, aber auch kraftvoller und stabiler werden.
Ein Hyong-Lauf wird erst dann lebendig, wenn er von "innen heraus" gelaufen wird. Auch wenn die äußerlichen Bewegungen noch nicht so perfekt sind, wird eine Form sehr schön, sobald sich aufrichtiges Bemühen, Mut und Lebensfreude in ihr widerspiegelt.
Von Stufe zu Stufe steigt der Schwierigkeitsgrad des Hyongs und verlangt, aber fördert auch immer größere Übersicht und tieferes Einfühlungsvermögen des Übenden.
Je öfter ein Hyong geübt wird, desto besser wird der äußerliche Ablauf verinnerlicht und die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet.
So lernt man dann auch, den Klang der inneren Stimme wieder wahrzunehmen und sich danach zu bewegen - bis man merkt, daß man selbst auch nur ein kleiner Ton in der großen Symphonie des Universums ist.
Zur Geschichte der Hyongs